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Kreativste Vernissage des Jahres 2007 unter dem Motto: .De Profundis - Ikonen, VordenQer, Genies. Polnisches Kulturzentrum Prinzregenten Str. 07. November um 19:00 Uhr 7 80538 München
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Die innovative Vernissage, in der auch die Werke von: F. Chopin, C. Debussy, H. Heine, C. Norwid präsentiert werden, soll ein Elixier für die Seele und den Geist dar bieten.
Künstler: STANislaw Szroborz
Begleittext zur Ausstellung von Stanislaw Szroborz
"de Profundis-Ikonen, VordenQer, Genies"
von Hania Zboinska
ARQA
Wenn es mir schlecht geht, fahre ich zu Stan. Stan ist kein Arzt und kein Therapeut, sondern ein Künstler. Anscheinend geht es anderen auch so, denn bei Stan ist immer jemand, manchmal viele, als ob die sich alle verabredet hätten. Lange Zeit konnte ich das Phänomen nicht benennen, nicht beschreiben, nicht definieren. Nach dem Besuch bei Stan ging es mir immer gut, obwohl er weder zaubern konnte, noch andere Magie beherrschte. Zu trinken gab es nur Tee. Am Getränk konnte es also nicht liegen.

Schon vor dem Eingang in sein Domizil, ist klar, dass kein bürgerlicher Haushalt zu erwarten ist. Es ist zumindest keine Fußmatte ausgelegt, dafür aber diverse Objekte, die jeder Gewöhnliche zu entsorgen hätte, damit Harmonie und Ordnung seine Reputation heben.
Stattdessen finde ich fantasievolle Wurzeln, Holzreste, verschiedene Zweige und Holzspielzeug. Beleuchtete Plexirohre legen sich wie Girlanden über das Ufergelände zum Rhein. Es ist spannend. Es hat was vom Kinderzimmerchaos. Unbekümmerheit und Natürlichkeit , ganz im Kontrast zu der kühlen Perfektion der gegenüberliegenden Rheinseite. Da thront der Medienhafen in Düsseldorf.
Der Anblick dieses "Vorgartens" lässt ahnen, was sich hinter der Eingangstür befindet. Mit Sicherheit nichts, was genormt wäre.
Man folgt im Inneren dem Duft von Räucherstäbchen, klassischer Musik und einem Spalier Kerzen, der den Weg nach oben weist. Große Leinwände, an der Wand angelehnt, wie junge Mädchen, die auf einem Schulbaal darauf warten, zum Tanz aufgefordert zu werden.
Hier und da bemüht sich eine Skulptur um die Aufmerksamkeit der Besucher, der Übermacht der großformatigen Bilder zum Trotz. Jeder Raum ist eine kleine Galerie für sich. Man verliert sich in den Räumlichkeiten, ist von der Menge der Kunstwerke überwältigt.
Wer das erste Mal hier kommt, ist überfordert. Kann der Flut der visuellen Reize nicht standhalten. Doch dann stellen sich die Sinne auf eine andere Dimension der Wahrnehmung ein und lassen Endorphine ausschütten. Davon wird man süchtig.
Ich will nicht missverstanden werden. Ich spreche hier klar von einem Atelier. Davon gibt es in Düsseldorf genug. Doch nicht jedes berührt körperlich. Das von Stan, schon.
Es liegt an Stan. Ist man oben, entlang des Kerzenscheins, im "Wohnbereich" angelangt, begegnet man einem Menschen, der vor Gastfreundlichkeit glüht und den Besucher begrüßt, als sei er lang erwartet und prominent. Keiner zweifelt daran. Es ist echt.
Männer wie Frauen, gleich willkommen, landen in Stans Armen. Die Begrüßung fällt sehr körperlich aus. Dieser Nähe kann sich keiner entziehen und auch die harten Fälle geben irgendwann auf und lassen diese Zärtlichkeiten über sich ergehen. Mit der Zeit genießen sie es sichtlich. Die Schale ist spröde geworden. Mich macht dieses "Begrüßungsritual" glücklich. Alles lockert sich und macht Hoffnung auf Normalität, die uns abhanden gekommen ist. Distanz macht einsam.
Aus dem Samowar wird Tee gereicht. Ich bekomme ihn mit frisch gepresstem Mandarinensaft, mit Honig veredelt. Das gib es nicht mal im kultigen Medienhafen. Und wir reden. Ununterbrochen reden wir.
Über alles, was mit der praktischen Welt nicht zu tun hat. Manchmal lesen wir auch kluge Sätze, weise Zeilen, die den Geist entgiften und beleben. Im Hintergrund spielt Musik. Kerzen brennen. Stan erzählt. Ich lasse mich treiben. Versuche seine bildhafte Sprache zu dekodieren, damit der Inhalt mich erreicht. Denn Stan denkt in Bildern, in ganzen Szenen. Das Mundwerk ist nicht schnell genug, um es verbal umzusetzen. Erfordert vom Zuhörer eine Menge Konzentration und einer hingabevollen Bereitschaft an diesem kommunikativen Spektakel teilzunehmen. Es lohnt sich immer.
Hin und wieder schauen wir auf den Rhein und auf den Himmel über den Hafen. Er ist jedes Mal anders. Nie langweilig, immer neu, als hätte er gewusst, dass es sich nicht schickt, vor dem Künstler routiniert aufzutreten. Wir belohnen die himmlische Kreativität mit diskretem Lächeln und leisem Entzücken, um die Schau nicht zu gefährden.
Immer wieder nimmt mich Stan an der Hand und wandert durch das Atelier. Erzählt von seinen Bildern. Freut sich über den neuen Zuwachs der letzten Monate. Der Rundgang findet manchmal mehrmals am Tag statt, je nachdem wer gerade angekommen ist. Und immer mit konstanter Begeisterung und Hingabe. Die neuen Werke verkörpern das Lebensmotto von Stan. Deswegen kommen wir, die Besucher und die Suchenden, um von dieser Kraft neuen Mut zu schöpfen. Denn es geht um die Kraft, die alle als Potenzial in sich hüten, es aber nicht wagen zu
entfesseln. Und dabei wäre es eine Verpflichtung eines jeden von uns, eine Daseinsberechtigung. Die Tiefen des inneren Geistes, sagt Stan, gilt es anzurufen, um die Energie für eine Aufgabe anzuzapfen. Vordenker und Genies hatten den Mut, ihre Visionen gnadenlos zu leben, auch auf die Gefahr hin, abgelehnt und missverstanden zu werden. Sie taten es trotzdem, oder gerade deswegen, weil sie an die Sache fest glaubten. Wir lassen nach, mit den Jahren- meint Stan. Verschütten die ewige Quelle der Liebe und des Lichts, das in jedem brennt. Verfallen der Bequemlichkeit und der Trägheit. Das macht uns traurig.
Auf den Bildern hat er Figuren gemalt. Sie riskieren was, verbiegen sich in einer akrobatischen Haltung, die unbequem ist. Denn es gilt etwas zu wagen. Ob sie sich jemals aus dieser ungewöhnlichen Position aufrichten ist ungewiss Doch gewagt haben sie allemal, haben ihre Flügeln ausgepackt und versuchen Neues zu erschaffen. Eindrucksvolle Symbolik.
Wir hören zu und zweifeln an dieser Aussage nicht. Dazu sind wir auch hier, eine Gruppe von Menschen, die ja auch ahnt, dass es möglich ist, wieder in den Fluss zu kommen, alte Gewohnheiten zu überwinden, über sich hinauswachsen- auch wenn es extrem schwierig ist. Denn Wünsche und Talent haben wir alle. Sie sind startbereit. Den Zündschlüssel musst du aber schon selbst umdrehen. Und nur DU.
Stans Bilder strahlen: übertragen und wörtlich gemeint. Sie sind so glaubwürdig, wie Stans Worte. Denn was er uns da erzählt, kommt spürbar aus den Werken zu uns entgegen. Wir erfahren, die Kraft und den Mut körperlich. Der Samen keimt. Der Rest ist spannende Erwartung dessen, was folgen kann, falls wir uns über das Gewöhnliche hinauswagen.
Und dann kehren wir an den Tisch zurück. Zu unserem Tee und den Kerzen, und dem spektakulären Himmel.
Stan meint, dass wir hier auf dem Bord einer ARQA sind-
ein Begriff, den Stan erfunden hat, wie alles hier,
eine Wortschöpfung, zusammengesetzt aus:
AREK, dem Künstlerfreund, der letztens, zu früh verstorben ist,
einem Querdenker, der alles in Frage stellt und zu neuen Ufern gelangt,
und aus Arche, die uns auffängt und nicht untergehen lässt.
Und so fühlen wir es auch.
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