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   Margaux und die Banditen
   "Herzsplitternackt - Nagie
   serce"


   Dzien Europejski / Europatag
   Düsseldorf, 10.05.08

   "Promieniowanie",
   Oberhausen 28.09.2007

   Konzert am 28.04.2007
   in Garath

 

in deutsch

Ein neues Projekt der "Cultura":
"Margaux und die Banditen"


gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Die in Bydgoszcz geborene Kölnerin, wurde bereits mit 12 Jahren zur Grenzgängerin. "unterwegs... po drodze". Der persönlichen Intervention des damaligen Außenministers Genscher ist es zu verdanken, dass sie und ihr jüngerer Bruder den Eltern in den Westen folgen dürfen. Schnell beherrscht sie die deutsche Sprache, und nach dem Abitur studiert sie schließlich auf Wunsch der Eltern Medizin. Aber schon als Kind träumt sie davon Schauspielerin zu werden und lässt sich nach dem Studium auf den Reiz einer doppelten Berufung ein: Neben ihrer ärztlichen Tätigkeit erlernt sie Schauspielerei und Gesang. Die Initiation für ihre eigene künstlerische Laufbahn ist ein Konzertbesuch bei dem deutschen Chansonnier Tim Fischer. Alte polnische Lieder, die Großmutter und Mutter ihr sangen, werden von nun an zur Hintergrundfolie ihres eigenen Repertoires. Damit greift Margaux auf die polnische Chansontradition zurück, die weitaus älter ist als die deutsche. Die poetische Begegnung des polnischen und deutschen Chansons wird durch Margaux' Verwurzeltheit in beiden Kulturen und sensible Einfühlung ermöglicht und zu einem Gesamtkunstwerk verwoben. Nichts bringt die Berührung dieser zwei Kulturen wohl so lyrisch auf den Punkt wie ihr Chanson "Also habe ich jetzt zwei Herzen .. (Wiec teraz serca mam dwa). Zwei Herzen - damit sind nicht nur (ihre) zwei Heimatländer gemeint; das Bild steht auch für so gegensätzliche Befindlichkeiten wie Glück und Trauer, Lust und Leid oder Gier und Scham, zwischen denen die Menschenseelen ihrer Lied-Geschichten die gesamte Klaviatur der Emotionen durchleben und durchleiden.

Herzsplitternackt! - Woran denkst du? An einen Herzsplitter... an splitternackt? Denkst du an eine tragische Liebesgeschichte, an das alte Lied von Verlassen und Verlassen werden? Oder ist es die Geschichte einer Entblößung, die Geschichte von Wehrlosigkeit, von Heimatlosigkeit, von der hoffnungslosen Suche nach Wurzeln? Ist es etwa der Moment im Leben, wo wir uns über uns klar werden, den nackten Tatsachen ins Auge sehen, unsere Vergänglichkeit in jeder Falte und Geste, in jedem Schmerz erkennen? Wo wir uns fremd fühlen... und kraftlos. Wo wir uns fragen - wo ist mein Platz auf der Welt?

Es ist spannend zu hören und zu erleben, wie Margaux die deutschen und polnischen Klassiker gegenüber oder nebeneinander stellt: Brecht, Mlynarski, Osiecka, Tucholski und Konieczny, Mikula, Raaben, Weill; daneben neue deutsche Chansons, aufgeklärt und romantisch. Margaux ist die enttäuschte Liebende des Brecht`schen "Johnny", die abgebrühte Prostituierte, sie ist die Mutter, die ein polnisches Wiegenlied einstimmt, die Dorfverrückte, die in dem Osiecka-Stück "Wariatka" barfuß die Nacht durchtanzt. Jede dieser Rollen, die sensibel abgestimmt zwischen den Stimmungspolen von wilder Frivolität und stiller Nachdenklichkeit oszillieren, beherrscht Margaux perfekt und verstärkt die Wirkung ihres emotionalen Gesanges noch durch eine expressive Mimik und Gestik. Die poetische Begegnung der beiden Kulturen, die unterschiedlichen musikalischen Genres, die Mischung aus Theater und Jazz machen das Chansonprogramm gleichermaßen spannend wie elektrisierend.

Margaux und "ihre" immer mal wieder wechselnden Banditen haben aus dem polnischen und deutschen Chansonrepertoire Juwelen herausgesucht, wunderbare alte und neue Poesie vertont und eigene Texte geschrieben: "Küss mir das taube Gefühl von der Haut". In der mitreißenden Inszenierung polnischer und deutscher, bekannter und unbekannter, geliehener und eigener Chansons, gewürzt mit tiefgründiger und witziger Poesie - getragen von wunderbarer Musik - bettet das Programm Margaux' und der Banditen die ZuhörerInnen ein in eine lebendige, phantasievolle Klangwelt mit überraschenden Improvisationen und eindringlichen Partituren für Stimme, Kontrabass, Piano, Saxophon und Klarinette.....denn Chanson mag Jazz.

Mit "ihren" Banditen, stehen Margaux vier excellente Jazzmusiker zur Seite:

Der Kontrabassist Daniel Speer haucht ebenso gefühl- wie taktvoll seinem Instrument eine einzigartige empathisch mitschwingende Seele ein. Speer ist enorm vielseitig und fühlt sich in der experimentellen Musik genauso wohl wie im Theater. Nach seinem klassischen Kontrabass-Studium in Mannheim studierte er Jazzmusik. Mit dem Ensemble Cauldron gewann er 2002 den 1. Preis im Kompositionswettbewerb des Bunkers Ulmenwall Bielefeld und erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Herford. Seither spielt er bei zahlreichen Theaterproduktionen, begleitet Sänger und Sängerinnen und engagiert sich in Projekten im Grenzbereich zur neuen Musik und freien Improvisation.

Florian Weber, der mit vier Jahren bereits am Klavier saß, nahm mit 22 Jahren an der Musikhochschule Köln sein Studium auf und präsentierte sich wenig später als Solist gemeinsam mit den "Weissrussischen Philharmonikern". 1998 bis 2000 spielte er im Bundesjazzorchester, gewann 1999 ein Stipendium an dem Berklee College of Music in Boston und erhielt 2001 den bekannten Steinway & Sons Preis des Montreux Jazz Festival als Solopianist. Er wird als "der Jazzpiano Newcomer in Deutschland" (DIE ZEIT) gehandelt und hat nicht nur an der Musik Freude sondern auch am Wort und poetischen Ausschweifungen. Mit seinem Slogen "creation...now!" auf seiner Website siedelt er sich irgendwo zwischen Bill Evans und Brad Mehldau, Keith Jarrett und auch Herbie Hancock an.

Claudius Valk, 1966 in Ratingen geboren, absolvierte ein Jazz- und Klassik-Saxophonstudium an der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen und ein Jazz-Studium an der Folkwang Musikhochschule Essen. 1994 gewann er den Folkwangpreis für Musik und ist seit 2001 Lehrbeauftragter für Jazz-Saxophon an der Musikhochschule Köln und seit 2002 Dozent für Jazz-Saxophon am Conservatorium Maastricht. So deutlich wie bei kaum einem Musiker seines Alters ist das Saxophon eine Art Verlängerung seiner Seele und ein ganz spezielles Medium der Kommunikation. Mal zungenbrecherisch geschwätzig, mal süß verführerisch, denn auch einer starken Melodie ist er nicht abgeneigt.

Der aus der Pfalz stammende Wahlkölner Frank Wingold studierte am renommierten Hilversums Conservatorium Jazz und klassische Gitarre. 1993 gewann sein Trio AGOG den "Europe Jazz Contest" in Brüssel und Wingold erhielt den "Preis für den besten Solisten". Mit AGOG gewann er 2002 die "Dutch Jazz Competition" auf dem North Sea Jazz Festival. Er kombiniert klassische mit jazz- und rockorientierten Spieltechniken auf akustischen wie elektrischen Gitarren und entwickelt damit eine eigene Improvisations- und Kompositionssprache. Er arbeitet auch als Ensemblemusiker und hat mit seiner Frau, der Kölner Sängerin Martina Gassmann, ein Songprogramm zwischen Pop und Jazz erarbeitet. Er ist Dozent für Jazzgitarre an der Musikhochschule Saarbrücken und an der Musikhochschule (Prins Claus Conservatorium) Groningen.

Text: Cornelie Junghans
GLOBALKLANG DÜSSELDORF
Margaux und Banditen

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